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[liebe leser... ich freue mich über euer feedback!
 habt ihr noch weitere anwendungen von live systemen?
 macht eure Linux User group veranstaltungen mit live systemen?
 was macht ihr damit?]

Inhalt:
Warum Linux LIVE Systeme verwenden?
Eine kleine Sammlung von Szenarien.

Zielgruppe:
Alle, die Linux kennenlernen wollen, aber
keine Lust darauf haben, die Festplatte
des Computers dafür erst umbauen zu müssen.

Samstag 17:30, Raum V1 | Sven Guckes: LIVE Systeme
https://chemnitzer.linux-tage.de/2020/de/programm/beitrag/337

diese Seite:
https://www.guckes.net/talks/live_systems.txt
https://www.guckes.net/talks/live_systems.html BUNT! :-)
Latest change: Wed Feb 19 15:42:23 CET 2020

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= Kurzbeschreibung =

Verwenden Sie schon ein LIVE System?
Ein LIVE System ist ein ganzes (Linux) System,
das von einem externen Medium (CD, DVD,
oder USB Stick) gestartet werden kann.

USB Sticks kosten nicht mehr viel.
Sie sind groß genug für ganze Systeme.
Viele basieren auf Linux Distributionen wie
Arch, CentOS, Debian, Gentoo, RedHat, SuSE, Ubuntu.

Diese kann man dann auf vorhandenen Computern
(im Web Cafe, oder bei Freunden) starten und
muss die notwendige Hardware nicht herumschleppen.

USB Sticks sind leicht. Viel leichter als Laptops.
Man kann also sein System in der Tasche herumtragen -
und er wiegt dann nur wenige Gramm.
Ein bischen wie ein virtueller Computer.

Die Systeme starten dann mit einem Desktop -
und eine Tonne von Programmen ist vorhanden.

Keine Änderung notwendig auf der lokalen Festplatte.
Genau genommen läuft alles *ohne* jene Festplatte.
Insbesondere läuft es auf Rechnern ohne Festplatte.

Aber was kann man dann mit diesen Systemen machen?
Gehen wir mal ein paar Szenarien durch...

= Vorbemerkung: USB Sticks =

"USB Sticks sind billig!" :-)
/skip/

Vorbemerkung:
USB Sticks sind kaum noch unter 8GB zu bekommen.
Jene sind schon gross genug für die grossen LIVE Systeme.

Heute (2020) gibt es zumeist Sticks mit 16GB und 32GB.
Diese kosten zwischen 10Euro und 20Euro.

Sticks gibt es direkt bei MediaMarkt und Saturn,
aber auch an den Kassen von "dm" und "rossmann" -
zumeist schon für 7/8 Euro.

MediaMarkt: 3er Pack 16GB USB 2.0 für 12 Euro.
also ein Stick für 4 Euro.

Die nano Sticks ("slim line") sind schön klein
und schauen kaum aus dem USB Port heraus.  Kann
man stecken lassen oder im Gehäuse verstecken.

Die Systeme sind meist höchstens so
gross wie eine DVD, also max 4.7GB.
Den Rest des Platzes auf dem Stick kann man als
Speicherplatz für eigene Daten verwenden (Persistenz).

Der restliche Platz bietet aber auch die Möglichkeit,
noch weitere Distributionen darauf zu installieren
(als Multi-System bzw Multi-Boot) und diese
über ein Startmenü auswählbar zu machen.

Natürlich gibt es auch weiterhin noch CDs+DVDs..
aber diese sind weiterhin größer als USB Sticks.
Dafür werden sie mittlerweile auch gerne kostenlos
abgegeben.  Wer den Platz dafür hat, der kann sich
auch einen Stapel Scheiben mit LIVE Systemen zulegen.
Zum Starten muß man im BIOS halt auch das CD/DVD
Laufwerk vor die interne Festplatte schieben.

Hinweis: Alle Datenträger beschriften! "Label your data!"

= Feature: Persistenz =

"Immer wieder gleich?  Wie kann man damit arbeiten?"
Nun.. man kann seine Daten auch speichern.
Bei manchen Systemen muss man sich dafür
erst eine "Persistenz" einstellen (zB TAILS).
Eine weitere Partition für die eigenen Daten
kann dann auch mit LUKS verschlüsselt werden.

Die eigenen Daten können natürlich auch auf einem
weiteren USB stick (an einem anderen USB Port)
gespeichert werden.

= Feature: sudo =

Kein voreingestelltes Passwort für "root".
Default User wird automatisch eingelogt
und ist auch als "sudoer" eingetragen.
Zugriff für Installationen und Starten/Stoppen
von Services dann über das Kommando "sudo".

= Szenario: Ausprobieren =

Generell: "Mal ausprobieren." (Mach es einfach!)

"Wie sieht diese Distribution denn aus?"
Muss man sich da erst einloggen -
oder ist man gleich eingelogt?
Wie sieht der Desktop aus?
Welche Menüs gibt es da?
Welche Software ist vorhanden?
Gibt es sinnvolle Hilfe für Anfänger?

Entscheidungshilfe:
Will man sich diese Distribution
"fest" auf der Festplatte installieren?

= Installation =
/skip/

Der übliche Weg einer Installation:
* Backup.
* Backup!  ("kein backup, kein mitleid")
* Install Parties! (zumeist bei LUGs und Unis)
* Partitionieren (Neu-Einteilung) der Festplatte
* Installation von Stick, DVD oder aus dem Netz
* Geduld! (viele Daten gehen durchs Netz)

Das nimmt unheimlich viel Zeit weg.
Das kann man sich sparen, wenn man
ein paar Sticks vorbereitet hat,
die jeder einfach mal starten kann.

== BIOS ==
Beim Starten des Computers eine F-Taste drücken,
um ins BIOS zu gelangen. "Boot Order" umstellen.
Oder einfach im Menü den USB Stick auswählen.

Startupdauer zumeist ein bis zwei Minuten.
Mit USB 3.0 geht's schneller.

= Szenario: Malware/Viren entfernen =

Bösartige Software *könnte* hereinkommen.
Aber wegen Rechtesystem und guten Grundeinstellungen
muss man zumeist einiges verbiegen,
damit Schadsoftware wirklich greift.
Und falls das passiert, so ist es
bei LIVE Systemen zumeist nicht schlimm.
Im Zeifelsfall neu installieren - und gut.

-> Container -> Versionierung

Viren entfernen.
Mit Software kann man auch auf die Festplatte
zugreifen und alle Dateien scannen lassen -
und eventuell auch erkannte Viren entfernen.

= Szenario: RAM Test =

Kein Rechner herumtragen.
Alte Rechner anschauen.
Mal 'ne Distro ausprobieren.
Leichtes Arbeiten anderswo.
Sicherer online gehen.
Mehr Tools zur Verfügung.

= Szenario: Rettung =

"rescue": Rettungssysteme

Trotz installiertem Linux möchte man
sicherlich ein Live Linux haben, um
eventuell eine Datenrettung zu machen.

Und ein TAILS für den sicheren Gebrauch
ist sicherlich auch nicht verkehrt.

= Szenario: SCHULE =

Systeme ausprobieren... ohne Rechner zu kaufen
Vorhandene Rechner verwenden.
Stick reinstecken - von Stick starten - System verwenden!

Virtuelle Computer im Rechenzentrum
ein Rechner pro Schüler
zum Rechenzentrum verbinden - und den
eigenen (virtuellen) Rechner verwenden.
Von der Schule, von zuhause, von unterwegs.

tnec.va-oreyva.qr
Unaf-Crgre Ceramry
Wbunaarf Jnygure
Xynhf Xabccre

= Szenario: Rechner testen =

Man kann von USB schnell ein System starten, um die
vorhandenen Rechner auf ihre Komponenten zu testen
und ein Profil der Computer zu erstellen.

Gespendete Computer mal anschauen! (ComputerTruhe)
Gibt es darin noch eine Festplatte? Sind da Daten drauf?

-> Forensik
System dafür: grml -> www.grml.org

= Distributionen =

"Kür" (lies: falls noch Zeit ist..)

noch ein bischen was über ein paar ausgewählte einzelne Distributionen..

= Distro: Knoppix =

Knoppix ist wohl die "Mutter aller LIVE Systeme".

siehe Vortrag von heute
Klaus Knopper: "KNOPPIX 9" (2020-03-14 13:30-15:00)
https://chemnitzer.linux-tage.de/2020/de/programm/beitrag/245

basiert auf Debian

= Distro: TAILS =

basiert auf Debian
Fokus auf Sicherheit

bietet:
"Anonyme" Verbindungen übers WWW per Tor
Viele Ports sind gesperrt ("go away")
Cryptosoftware vorhanden (GPG)
Email verschlüsseln (Thunderbird+Enigma)
Standort "verschleiert"
ACHTUNG: die Anwendung erfordert auch Wissen

siehe auch Vortrag: 2020-03-14 13-14h V1
Linda Tukker: "TAILS-Stick als Schnupper-Linux"
https://chemnitzer.linux-tage.de/2020/de/programm/beitrag/340

-> cryptoparties -> https://cryptoparty.in/berlin

= Distro: grml =

basiert auf Debian

startet per default ohne X
console+terminal+shell
text tools! :-)

rescue etc

= Szenario: MISC =

* Computer testen:
Läuft auf diesem Computer ein Linux?
Vor dem Kauf im Laden mal testen...
("Sie wollen doch auch nicht, dass ich Ihnen das
Gerät sofort wieder zurückbringe, oder? Eben." :-P)

* Gewohnheit:
Ich mag *mein* System verwenden - nicht das,
was man mir vorsetzt und nicht anpassen darf.
Kein altes Windows mit kaputter Software
und einem Webmail, bei dem jeder zuschaut.
Vielleicht erlaubt ja der Betreiber des Webcafes
auch, dass ich "mein" System verwenden darf?

* Herumspielen:
Einfach mal alles ändern und "verstellen":
Den Desktophintergrund ändern, einen anderen
"Look" des Windowmanagers einstellen,
diese Shell oder jenes Terminal verwenden,
oder einfach nur ein Spiel spielen, zB:
$ sudo apt-get install blockout2

-> juxlala für Jugend+Linux

* Paketmangement:
Wie fühlt sich eine Installation per Paketmanager an?
Mal ein paar Programme installieren - und wieder entfernen.
Eine rhetorische Frage: Wäre es nicht schön,
wenn Windows-Nutzer auch so etwas hätten? :-P

* Services starten (SSH, WWW):
Mal ausprobieren, wie ein Admin einen Service
auf dem aktuellen Rechner erstellt, den andere
von aussen anwählen können, um Daten zu erhalten.

* Upgrade:
Die Installation von Software über AppImages
erlaubt weiteres Testen - auch (parallel?) von
verschiedenen Versionen einer Software.
Alles in einer einzigen Datei. Keine
Verteilung von Dateien im ganzen System.
Kurt Pfeifle: "Ausführbar machen -> Anklicken -> läuft!"
-> https://appimage.org/ Video!
-> https://appimage.github.io/apps/
-> https://bintray.com/probono/AppImages
-> https://en.wikipedia.org/wiki/AppImage
-> https://www.pcwelt.de/a/appimages-portable-software-fuer-linux-nutzen,3449504

* Virtuelle Desktops:
Mehr als nur ein einziger Desktop!
Programmfenster auf mehrere Desktops verteilen.
Ein Desktop nur mit Terminal.. einer nur mit Browser..
einer nur mit Email... und einer nur mit Spiel+Spass.
(okay.. nichts spezielles für Linux LIVE Systeme,
sondern generell etwas, das man jemand
mal zeigen will, der nur Windows kennt.>)

* Schulung/Workshops:
Jeder bekommt einen USB Stick mit demselben LIVE Linux.
Und dann kann jeder loslegen... mit dem WLAN verbinden,
ein Terminal öffnen, Pakete installieren,
den Browser starten.. Cryptoschlüssel generieren,
Daten verschlüsselt an die anderen Teilnehmer senden..
auf einem remote Rechner einloggen.. etc

Advanced:
* Installation in Containern bzw virtueller Umgebung
* Multiboot auf einer externen/internen SSD installieren
(wieviel schneller starten die Distributionen?)

= Ausblick/Vision =

LUGs:
Linux User Gruppen halten USB Sticks vor.
Anlaufstelle für "mal Linux ausprobieren".
(evtl Multiboot Sticks zum Mitnehmen.)

Schulen:
Schüler und Auszubildende bekommen Sticks,
um mal eine Alternative ausprobieren zu können.
Teilen/Weitergabe ist ja erlaubt!  Freie Software! :-)

Universität:
USB Sticks als Grundlage für Vorlesungen und Übungen.
Siehe Klaus Knopper an der Uni Kaiserslautern!
Als Inhalt einen Abzug der Webseiten der Universität,
mit vielen PDFs für Studien und Hinweise
der Kommilitonen zu den Studiengängen.

Veranstaltungen:
Linux wird erstmal zum Ausprobieren angeboten,
bevor man an die Installation einer Distribution geht.
-> Chemnitzer Linux-Tage, Linux Infotag Augsburg,
Grazer Linux-Tage, Tübix, LinuxWochen Wien und Eisenstadt,
Kilux, Linux Presentation Days, Linux Install Fests.

Verteilen: Sharing is caring!
Diese Sticks kann man also auch mal an
Freunde+Kollegen zum Ausprobieren weitergeben.

Eine Installation/Kopie kann man gleichzeitig über
einen USB N-port auf N eingesteckte USB Sticks kopieren
(ein 7-port für USB 3.0 kostet ca 50 Euro).

= DANKE =

Vielen Dank für's Zuhören!

Ihr wollt das alles mal ausprobieren?
*Macht* es  einfach! und:
 Macht  es *einfach*. :)

Gibt es Ergänzungen, Korrekturen, Vorschläge? Her damit!

Sven Guckes
mailto:chemnitz2020@guckes.net
gpg:EAB97F200185391B
twitter: @guckes #livesysteme

= Fragen? =

Habt Ihr noch fragen dazu?

zB:
Eigenbau: wie macht man sein eigenes Live Linux? (juxlala)
Kaufen:   kann man Sticks mit Live Linux irgendwo kaufen?

Viel Spaß bei auf dem CLT!

= LINKS =

Events+Meetups:
* TAILS User Group Berlin
* cryptoparties

Live Systeme (Auswahl):
* Arch Linux
* Damn Small Linux
* Debian
* dyne-bolic https://de.wikipedia.org/wiki/Dyne:bolic
    streaming!
* grml
* Kali
* Knoppix       https://de.wikipedia.org/wiki/Knoppix
    https://twitter.com/mac_svenni/status/1229090712471441411
  beinhaltet Logik-Trainer-Programme:
    https://twitter.com/Anita04679502/status/1226491024790429697
  ..und KSudoku:
    https://twitter.com/Anita04679502/status/1226489789928570880
  einen usb stick mit Knoppix sollte jeder haben:
    https://twitter.com/Thomas_Renkert/status/1165180136465022976
* Puppy Linux
* TAILS
* Ubuntu

Tools:
* gnome-multi-writer
* gparted
* inxi
* usb-creator-gtk
* unetbootin
* rufus https://rufus.ie - für Windows 7+
  "Create bootable USB drives the easy way"

Wikipedia:
* Live-System (Wikipedia)
  https://de.wikipedia.org/wiki/Live-System
* Liste von LIVE CDs
  https://en.wikipedia.org/wiki/List_of_live_CDs

More:
* Pendrivelinux.com
* hal91 (one floppy linux) -> Christian Perle

= TODO =

screenshots von LIVE Distributionen sammeln..

== Nachteile ==

Sticks sammeln sich an..
und sehen oft gleich aus.
Die kann man schonmal verwechseln
und dann überschreibt man
den falschen Stick... o_O

Sticks haben definitiv eine kürzere
Lebensdauer als Festplatten.
Wenn man wirklich viele LIVE Systeme
ausprobieren will, dann startet man
jene lieber in einer virtuellen Umgebung.
Vortrag, anyone? ;-)

= DANK =

Danke für Feedback und mehr:
* Kurt Pfeifle - AppImages
* Bodo Eichstädt - review
* Markus Wolf - typo hunting!  rufus
* Christian Perle - maintainer of hal91 (one floppy linux)
* Frank Oder - für Hinweise zu CDs/DVDs und www.oekus.de

EOF